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Islamische Banken springen US-Bürgern beim Hauskauf bei


Mitten in der Kreditkrise boomt das islamische Geldwesen. Tausende Amerikaner kehren ihrer alten Bank den Rücken - und wickeln ihren Hauskauf nach den Gesetzen der Scharia ab. Die Institute versprechen ihren Kunden zinsfreie Finanzprodukte, Experten warnen vor Nepp.

Washington - Citigroup, Bear Stearns, Merrill Lynch: Die US-Kreditkrise erfasst beinahe alle amerikanischen Banken. Nur eine kleine Sparte scheint sich dem allgemeinen Abwärtsstrudel des Finanzsektors zu entziehen: Islamische Geldhäuser verzeichnen hohe Wachstumsraten.

 

Die Institute helfen ihren Kunden, zinsfrei ein Haus zu kaufen. Möglich ist dies über Finanzkonstruktionen, die sich am islamischen Glaubensrecht, der Scharia, orientieren. Mitten in der Kreditkrise nehmen muslimische Amerikaner dieses Angebot gerne an. Tausende haben sich bereits von ihrer traditionellen Bank abgewandt - und sind zu islamischen Geldhäusern übergelaufen.

Laut "Washington Post" hat allein Guidance Residential mehr als 5000 Hauskäufe finanziert. Derzeit erlebe das Unternehmen "das beste Jahr überhaupt" seit der Gründung im Jahr 2002, sagten Firmenvertreter der Zeitung. Im ersten Quartal 2008 habe man im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Wachstum von sieben Prozent verzeichnet - ein beachtliches Plus, wenn man die rückläufige Tendenz im gesamten amerikanischen Bankensektor in Betracht zieht.

Ähnlich gut laufen die Geschäfte bei University Islamic Financial. Von März 2007 bis März 2008 habe sich die Zahl der Anträge auf eine Immobilienfinanzierung glatt vervierfacht, berichtet die "Washington Post". Mittlerweile sei das Unternehmen schon in acht US-Staaten aktiv.

Das islamische Recht verbietet Wucher, genannt "Riba". Was alles dazu zählt, ist unter Gelehrten umstritten. Es hat sich aber in weiten Teilen der muslimischen Welt die Meinung durchgesetzt, dass das Geldverdienen durch Geldverleihen - also das Zinsennehmen - als "Riba" gilt. Schließlich trage der Kreditnehmer das komplette Risiko, während der Kreditgeber einen garantierten Gewinn erziele.

Islamische Geldhäuser bieten deshalb andere Formen der Immobilienfinanzierung an, die der Scharia entsprechen. Eine Möglichkeit ist zum Beispiel, dass die Bank das Haus kauft und es dann zu festen monatlichen Raten an den Kunden weiterverkauft. Eine weitere Option ist ein sogenannter Lease-to-own-Vertrag, ähnlich wie beim Autokauf: Dabei zahlt der Kunde für das Haus "Miete", und am Ende der Laufzeit gehört es ihm.

Die dritte Alternative ist eine Art GmbH, die Bank und Kunde gemeinsam gründen. Beide Seiten halten Anteile an der GmbH und damit an der Immobilie. Durch regelmäßige Zahlungen verschieben sich die Anteilsgewichte, bis das Haus ganz dem Kunden gehört. Diese Variante bevorzugt zum Beispiel das Unternehmen Guidance.

Mehrere Gründe erklären den Boom der islamischen Banken. Zum einen ist die Branche jung - so gesehen ist das Wachstum nur natürlich. Zum anderen aber hängt es eng mit der allgemeinen Kreditkrise zusammen. Viele Amerikaner sind die Praktiken traditioneller Geldverleiher leid: Steigende Zinsen, hohe Bankgebühren und Zwangsversteigerungen bei Zahlungsausfällen schrecken Interessenten ab.

Beliebt sind die islamischen Banken vor allem bei jungen Muslimen. Früher konnten sich nur wenige ein Eigenheim leisten. Wegen der fallenden Immobilienpreise hat sich das nun geändert. Zinsfreie Angebote kommen den Gläubigen da gerade recht, wie sich kürzlich auf einer Messe der Muslimischen Gesellschaft in Sterling zeigte. "Ich fühle mich nicht gut dabei, wenn ich Zinsen zahle", sagte die 29-jährige Besucherin Nabila Zerrarka in der "Washington Post". "Es ist gegen meinen Glauben. Aber es läuft auch meinen eigenen finanziellen Interessen zuwider." Ohne Zinsen, so hoffe sie, gebe es auch keine versteckten Gebühren.

Warnung vor "irreführender Werbung"

Der Boom der islamischen Banken steht in Kontrast zum weltweiten Niedergang des übrigen Kreditmarkts. So ist die Zahl der Darlehensverträge in Großbritannien im ersten Quartal auf den niedrigsten Stand seit 1975 gesunken. Auch in Deutschland leiden Kunden unter der restriktiven Kreditvergabe der Banken: Weil die Institute immer höhere Sicherheiten verlangen, fragen Verbraucher und Unternehmen weniger Kredite nach, berichtet die BayernLB.

Islamische Banken wollen diese Lücke nun schließen, zumindest in den USA. Kritiker bemängeln allerdings, dass die Finanzmodelle der Institute am Ende auf das Gleiche hinauslaufen wie ein klassischer Kreditvertrag: Der Kunde muss regelmäßige Zahlungen leisten, den Gewinn macht die Bank. Ob diese Zahlungen "Zins und Tilgung" oder "Mietrate" heißen, ist da zweitrangig.

Tatsächlich orientieren sich die islamischen Banken beim Preis an den marktüblichen Zinsen. Mit anderen Worten: Billiger als bei einem herkömmlichen Geldhaus kommen die Kunden nicht weg.

"Die Branche nutzt die religiöse Verunsicherung der Leute aus", sagt Mahmoud Amin el-Gamal, Wirtschaftsprofessor an der Rice University und Spezialist für das islamische Finanzwesen, in der "Washington Post". "Die Unternehmen verkaufen ein Produkt, von dem sie behaupten, es sei anders als andere Produkte, obwohl das nicht stimmt. Das ist irreführende Werbung."

 

Quelle: Spiegel.de

 

13.10.09 01:32

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